Wiens letzte öffentliche Hinrichtung

Isabella Mueller @isabella_muenchen Wien

Wiens letzter öffentlich Hingerichteter nach einem ordentlichen Gerichtsverfahren war der ungarische Tischlergehilfe Georg Ratkay. Georg Ratkay war einst nach Wien gekommen, um in der Donaumetropole gut bezahlte Arbeit zu finden. Da er wenig Geld hatte, mietete er sich unter falschen Namen bei dem Tischlerehepaar Henke stundenweise eine sogenannte Bettstatt in der Adamsgasse 9 im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße. Dies war damals ein üblicher Brauch, der unter dem Namen „Bettgeher“ bekannt war. Am 9. Januar 1868 erschlug Georg Henke die 38 Jahre alte Ehefrau des Tischlers, Marie Henke, in ihrem Bett mit einem Hobel, um sie auszurauben. Nachdem er ihre Wertsachen entwendet hatte, begab er sich in eine andere Unterkunft, wo er mit Bekannten als wäre nichts geschehen, Karten spielte. Währenddessen wurde die ermordete Marie Henke von einer Untermieterin in ihrem Bett gefunden. Die Polizei handelte schnell und fertigte ein Fahndungsfoto nach Zeugenaussagen an und wandte sich damit an die Presse. Als Georg Ratkay aus der Presse erfuhr, dass nach ihm gesucht wurde, tauchte er in der Wohnung des Vaters seiner Geliebten Karoline Geserich in Klein-Neusiedl unter. Am 15. Januar 1868 wurde er dort festgenommen. Anschließend legte er ein umfassendes Geständnis auch über seine zuvor begangenen Verbrechen ab. Am 28. Mai 1868 wurde er zum Tode verurteilt. Diese Hinrichtung sollte Wiens letzte öffentliche Hinrichtung sein, da seit geraumer Zeit sich die Hinrichtungen zu einem Volksfest mit fliegenden Händlern, die ihre Ware feilboten, Essens- und Getränkestände, die fürs leibliche Wohl sorgten musikalisch untermalt von Moritatensängern entwickelt hatte, die einzig zur Volksbelustigung diente. Am 30. Mai 1868 war die Hinrichtungsstätte Spinnerin am Kreuz in Wien so gut besucht, dass Soldaten den Weg für den verurteilten Georg Ratkay gewaltsam räumen mussten. Es kam sogar zu Schlägereien wegen den Sitzplätzen auf der Tribüne für die Eintrittsgelder bis zu einem Gulden erhoben wurden, nur um das voyeuristische Verlangen zu befriedigen. Die Hinrichtung von Georg Ratkay wurde zu einer riesigen Belustigung der grölenden Massen. Unter der johlenden Menge wurde Georg Ratkay zum Würgegalgen gebracht. Dieser bestand aus einem Pfahl, an dessen Spitze ein Seil hing. Georg Ratkay wurde von den Gehilfen des Henkers hoch gehoben und der Henker legte ein Seil um den Hals von Ratkay. Anschließend wurde dieser an den Schultern gepackt und zu Boden gedrückt. Dadurch wurde die Blutzirkulation sofort beendet, was zu einem schnellen Tod Ratkays führte. Nach der Hinrichtung Ratkay tobte die Masse, die fast die Hinrichtungsstätte gestürmt hätte, nur um Souvenirs zu bekommen. Die Presse berichtete verheerend über die geschmacklose und vor allem würdelose Hinrichtung Ratkays. Darum beschloss Kaiser Franz Joseph I., der kein großer Befürworter der Todesstrafe war, dass Hinrichtungen künftig nicht mehr öffentlich stattfinden sollen, um dem zu Tode Verurteilten seine letzte Ehre zu bewahren. Die künftigen Hinrichtungen fanden unter Ausschuss der Öffentlichkeit im Landgerichtshof I., dem neuen Galgenhof, statt. Erst mit der neuen Strafprozessordnung von 1873 wurden öffentliche Hinrichtungen in ganz Österreich untersagt bis am 1. Juli 1950 die Todesstrafe in Österreich endgültig abgeschafft wurde. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Kurpark Oberlaa, der sich wie die einstige Hinrichtungsstätte Spinnerin am Kreuz im 10. Wiener Gemeindebezirk befindet. 🙂

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