It´s Coffee Time im ältesten Café Heidelbergs

Isabella Mueller, @isabella_muenchen

Seit 1863 wurde das älteste Café Heidelbergs in der Unteren Gasse 37 gegenüber der Heiliggeistkirche bis in die 5. Generation der Familie Knösel weiter geführt. Im Frühjahr 2005 endete die über hundertjährige Familientradition, als die beiden Schwestern Liselotte und Anita Knösel schweren Herzens das Traditionshaus verkauften. Nach dem Verkauf des Hauses erfolgte die Modernisierung behutsam und mit viel Feingefühl, denn es galt Altes zu bewahren und Neues zu gestalten. Hier erfand schließlich Fridolin Knösel 1863 den weltberühmten Studentenkuß, eine Nougatpraline, die bis heute nach seinem Originalrezept hergestellt wird. Nach einem weiteren Umbau 2017 mit Einbau einer modernen Theke und Restauration der Eingangsdecke begann eine neue Ära in der Geschichte des traditionsreichen, ältesten Cafés in Heidelberg unter neuer Leitung. Dabei wurden alte Fotografien und der Name des Cafés beibehalten. Ich betrat das Kultcafé Knösel, das mit neuer moderner Bestuhlung, geschliffenen Boden, frischer Farbe und trendiger Bar in neuem Glanz erstrahlte. An den Wänden hingen alte Fotografien, die an die Studentenkultur und Tradition des Cafés erinnerten. Die Tische aus damaliger Zeit wurden erhalten und der offen gestaltete Gastraum sorgte für eine gemütliche Atmosphäre. Das Interieur war eine Mischung aus modern und nostalgisch. Ich nahm an einem schönen Ecktisch Platz und bestellte mir eine Sachertorte mit einer heißen Tasse Kaffee. Ich genoss die Ruhe und las mir die Geschichte des Hauses durch. Das Haus wurde 1704 im Herzen der Altstadt Ecke Haspelgasse/ Untere Straße von einem italienischen Kaufmann als ein stattliches Wohn- und Geschäftshaus erbaut. Was heute kaum mehr jemand vermutet, so war die Haspelgasse mit ihren Zeughäusern, Lagern und Speichern einst die breiteste Straße der Altstadt, in der nicht nur durch Fuhrwerke und Kutschen rege Betriebsamkeit herrschte. Etwa um 1770 änderte sich die Nutzung des Gebäudes, denn dort etablierte sich ein Damenstift, in welchem wohlhabende und adlige Frauen, die unverheiratet oder verwitwet waren, in religiöser Gemeinschaft zusammenlebten. Wahrscheinlich die erste Frauen-WG in Heidelberg. Danach beherbergte das Haus eine Apotheke und später eine Weinhandlung, bis es 1780 von dem damaligen Bürgermeister Leonhard Ritzhaupt erworben wurde. Da dieser sehr jung verstarb und die Witwe für ihren Unterhalt und den der beiden Töchter zu sorgen hatte, vermietete sie Zimmer an Studenten, die schon bald auch bekocht und bewirtet wurden. Damit war sozusagen der gastronomische Grundstein gelegt. Die Wohnräume im Erdgeschoss wurden zu einer Begegnungsstätte umgebaut, in der sich auch die schlagenden Studentenverbindungen „Westfalen“ und „Vandalen“ trafen. Bilder und Scherenschnitte sind auch heute noch authentische Zeugen dieser Zeit, auf denen sich teilweise die Namen so berühmter Gäste wie Freiherr von Richthofen, Graf Hammerstein von Münchhausen, von Blücher oder von Mettenheim ablesen lassen. Doch nicht nur Studenten und Professoren wussten das gemütliche Ambiente und gastfreundliche Haus zu schätzen, auch Heidelberger Bürger und Touristen kehrten gerne hier ein. Im Jahre 1903 kaufte Carolin Knösel und ihr Mann das Anwesen. Der Rest ist Geschichte. Ich war beeindruckt von der Historie des Cafés, das auch heute noch für Qualität und guten Service in Heidelberg steht. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos vom Kultcafé Knösel mitten im Herzen der Heidelberger Altstadt. 🙂

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