Die zwei mächtigen Türme

Isabella Müller Besigheim Ludwigsburg Stuttgart @isabella_muenchen

Zwei Zeitzeugen, die die Wehrhaftigkeit der historischen Stadt Besigheim im Mittelalter bis heute eindrucksvoll demonstrieren, sind der Waldhornturm im Norden und der Schochenturm im Südosten. Beide Türme wurden an den strategisch wichtigen Punkten der Stadt zur bestmöglichen Verteidigung um 1220 unter dem Markgraf Hermann von Baden errichtet. Neben der Abwehr wurden sie auch als Wohntürme genutzt. Der Waldhornturm war der Untere Turm der Stadt und Teil der Unteren Burg. Sein Name leitet sich von der Gaststätte „Waldhorn“ ab, die sich direkt neben dem 29 Meter hohen Turm befand. Der Turm hatte fünf eingewölbte Geschosse und sein ursprünglicher Eingang befand sich in 10 Meter Höhe auf der Kaminebene. Sein heutiger Zugang am Boden erhielt er erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Vom Aborterker und dem obersten Geschoss mit großer Wehrplatte bot er einen fantastischen Blick über die Stadt und das Neckar- und Enztal, was für die Verteidigung der Stadt enorm wichtig war. Der zweite Turm, der Schochenturm, war Teil der Oberen Burg und hatte eine Höhe von 31 Metern. Er diente als Hochwächterturm und sein Zugang befand sich im zweiten der insgesamt fünf Geschosse. Seinen Namen verdankt er einem ehemaligen Turmwächter namens Schoch. Denn ab dem 16. Jahrhundert wohnte im Turm ein Wächter, der in seinem Torwächterhaus, die Zugbrücke morgens öffnete und abends wieder verschloss. Zudem konnte der Torwächter oben vom Turm aus die Gegend nach Reitern observieren, deren Ankunft durch Fanfaren angekündigt wurde. Aus den Bestandsaufnahmen des Landesdenkmalamtes geht hervor, dass ab 1540 das Dachgeschoss des Turms als Wohnung für den Turmwächter genutzt wurde. Im Boden des Turms befand sich ein Loch, das als Gefängnis fungierte und in dem die Inhaftierten ihr Dasein unter katastrophalen, hygienischen Bedingungen fristen mussten. Neben diesen zwei Türmen existierte bis zu seinem Abriss aus verkehrstechnischen Gründen 1817 noch der Aiperturm. Dieser dreigeschossige Torturm mit Durchfahrt unter dem Turm und der Türmerwohnung sicherte den Eingang zur Kernstadt. Zudem gab es einen Pulverturm im Nordwesten der ehemaligen inneren Stadtmauer, in dem Pulver gelagert wurde. Die zwei noch erhaltenen mächtigen Türme prägen bis heute auf beeindruckende Weise die Stadtsilhouette von Besigheim, die auf einem Bergsporn zwischen Neckar und Enz liegt und ermöglichten mir interessante Einblicke in die Besigheimer Stadtgeschichte. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieser steinernen Zeitzeugen. 🙂

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