Deutschlands unbekanntes Rokoko-Schloss

Isabella Müller Bönnigheim @isabella_muenchen

Ein wunderschönes Rokoko-Schloss befindet sich im Zentrum der Stadt Bönnigheim am Ende der Hauptstraße. Bei dem Schloss, das gleichzeitig das Wahrzeichen der Stadt ist, handelt es sich um das Stadionsche Schloss benannt nach seinem Erbauer, dem Graf Friedrich Stadion. Dieser ließ das Schloss 1756 nach den Plänen des Mainzer Hofes von Anselm Friedrich Ritter von Groensteyn unter dem Baumeister Anton Haaf errichten. Denn der Reichsgraf Friedrich von Stadion war Minister und Kanzler des Erzbischofs und Kurfürsten von Mainz, der 1750 Bönnigheim als Lehen erhielt und das Schloss als seine Sommerresidenz im spätbarocken Stil nach Mainzer und Französischen Vorbild erbauen ließ. Dafür wurde das 200 Jahre alte Liebensteiner Schlösschen abgerissen, an das heute noch der Kavaliersbau erinnert. Dieses Gebäude war ein Nebengebäude des Liebensteiner Schlösschens, in dem die Gäste, die sogenannten Kavaliere des Schlossherren beherbergt wurden. Danach diente das Gebäude als Latein-, Volks- und Haushaltsschule. In den oberen Etagen befanden sich die Dienstwohnungen. Heute befindet sich dort die städtische Musikschule, ein Jugendcafé und die Heimatstuben der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Das Stadionsche Schloss wurde bei seinem Bau reich mit Rokoko-Stuckdecken und meisterhaften Steinmetzarbeiten versehen. In ihm entstand auch der erste Roman, der von einer Frau in Deutschland veröffentlicht wurde. Dieser trug den Titel „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ und wurde von der Schwiegertochter des Grafen Friedrich von Stadion, Sophie La Roche, geschrieben. Nachdem 1785 das Lehen Bönnigheim an den Grafen auslief und Bönnigheims Besitzungen an den Kurfürsten von Mainz zurückgingen, kaufte Herzog Karl Eugen von Württemberg Bönnigheim. Ab 1792 zog Prinz Ludwig Eugen mit seiner Familie in das Stadionsche Schloss. Zu dieser Zeit entstanden die westlichen und östlichen Pavillonanbauten. Nach seinem Auszug wurde das Schloss für das königliche Forstamt Stromberg, für die königliche Taubstummenanstalt, als Schiller-College für amerikanische Studenten und von dem christlichen Jugenddorfwerk Deutschland genutzt. Seit dem 20. September 1996 ist dort das weltweit größte Museum für Internationale Naive Kunst und Art Brut beheimatet. Im Schloss und dem dazugehörigen Schlosshof finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. Das Stadionsche Schloss ist ein faszinierende Bauwerk im mittelalterlichen Stadtkern Bönnigheims, an dessen westlicher Seite das längste noch erhaltene Stück Stadtmauer zu bewundern ist. Ich erlebte bei meiner Besichtigung dieses Schlosses ein Stück Bönnigheimer Stadtgeschichte hautnah und wünsche Euch viel Freude mit meinen Fotos dieses zauberhaften Schlösschens. 🙂

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