Die märchenhafte Unterwasserwelt des Cola Pesce

Das Herz der malerischen Hafenstadt Messina im Nordosten Sizilien ist der Piazza Duomo, auf dem das Wahrzeichen der Stadt der Dom von Messina, die Kathedrale Maria Santissima Assunta, steht. Diese Kathedrale beherbergt die größte mechanische Uhr der Welt mit einem zauberhaften Glockenspiel. Eine weitere Sehenswürdigkeit des Platzes ist der wunderschöne Neptunbrunnen, der von einem Schüler Michelangelos, dem Bildhauer Giovanni Angelo Monorsoli, geschaffen wurde und dem mythischen Gründer Sizilien, Neptun, gewidmet ist. Um diese lebendige und moderne Küstenstadt, die nach See- und Erdbeben sowie nach dem Luftangriff der Alliierten 1943 immer wieder aufgebaut wurde, ranken sich zahlreiche Sagen und Mythen. Eine der bekanntesten ist die sizilianische Volkssage von Cola Pesce, einem Jungen namens Nicola, der von seiner Mutter mit der er in Messina lebte, liebevoll Cola genannt wurde. Cola liebte das Meer und schwamm stundenlang umher. Denn die Wasserwelt war voller Abenteuer und Phantasie. Hier fühlte er sich frei und leicht wie ein Fisch, was seiner sich sorgenden Mutter oft Kummer bereitete, da sie große Angst hatte, dass ihm etwas zustoßen könnte. Eines Tages schwamm Cola soweit ins Meer hinaus, dass seine Mutter ihn vom Ufer aus nicht sehen konnte. Aus Wut darüber sprach sie den Fluch aus, dass er doch lieber ein Fisch als ein Mensch sein solle. Cola verwandelte sich daraufhin in ein Wesen, das halb Fisch, halb Mensch war, was ihm den Namen Cola Pesce einbrachte, da das italienische Wort Pesce Fisch bedeutet. So wuchsen an seinen Händen Schwimmhäute und sein Mund wurde zu einem Froschmaul. Cola konnte dadurch die faszinierende Unterwasserwelt erforschen und kehrte zum Leidwesen seiner Mutter nicht mehr ans Land zurück, woraufhin seine Mutter nach kurzer Zeit verstarb. Schnell sprach sich im Land herum, dass ein Mischwesen halb Mensch, halb Fisch im Meer leben würde. Der König von Messina wollte Cola Pesce unbedingt kennenlernen, damit dieser für ihn die Unterwasserwelt erforsche. Cola Pesce besuchte den König in seinem Palast und kam seinem Wunsch nach zu der tiefsten Stelle des Meeres zu tauchen. Danach berichtete er dem König von seinen Beobachtungen. Von den Bergen, Tälern, Höhlen und Fischen am Meeresgrund. Einzig am Cap Faro konnte er den Meeresgrund nicht finden. Der König befahl Cola Pesce nochmals tief zu tauchen, da er wissen wollte, worauf Messina gebaut ist. Cola Pesce befolgte auch diesen Befehl des Königs und berichtete ihm nach seinem Tauchgang, das Messina auf einem Felsen mit drei Säulen steht, wobei eine heil, eine angebrochen und eine geborsten ist. Der König ließ Cola Pesce nach Neapel reisen, da er den Meeresgrund der Vulkane erforschen sollte. Auch diese Aufgabe erfüllte Cola Pesce gewissenhaft und erzählte anschließend, dass er zuerst kaltes, dann warmes und sogar Süßwasser vorgefunden hatte. Der König wollte Cola Pesce jedoch nicht glauben. Darum tauchte Cola Pesce nochmals hinab und brachte zum Beweis eine Flasche mit warmen Wasser und eine mit Süßwasser mit. Danach ließ den König der Gedanke nicht mehr los, dass Cap Faro ohne Meeresgrund sein sollte. Darum musste Cola Pesce wieder nach Messina zurückkehren, um dort nach dem Meeregrund des Cap Faro zu suchen. Nach zwei Tagen im Meer kehrte Cola Pesce ans Land zurück und berichtete dem König, dass er den Meeresgrund nicht sehen konnte, da eine Rauchsäule, die unter dem Felsen hervorquoll, das Wasser getrübt hatte. Daraufhin forderte der König, dass Cola Pesce sich vom Leuchtturm des Felsens Torre Faro ins Meer stürzen sollte, um erneut nach dem Meeresgrundes des Cap Faro zu forschen. Dies tat Cola Pesce, der erst nach drei Tagen und totenbleich zum König zurückkehrte. Er erzählte dem König, dass er einem Riesenfisch mit einem so großen Maul, dass ein ganzes Schiff darin Platz hätte, begegnet war. Um von diesem nicht verschluckt zu werden, musste er sich hinter einer der drei Säulen verstecken. Der König lauschte gebannt den Erzählungen des Cola Pesce. Doch ihn ließ die Neugier nicht los, wie tief das Meer am Cap Faro nun sei. Da sich Cola Pesce aus Angst um sein Leben weigerte, dort noch einmal zu tauchen, warf der König trotzig seine mit Edelsteinen besetzte Reichskrone ins Meer, die Cola Pesce wieder ans Land holen sollte. Cola Pesce beugte sich dem Willen des Königs, da es sich um die Reichskrone handelte, auch wenn er ein ungutes Gefühl hatte, nicht mehr zurückzukehren. Darum nahm er eine Hand voll Linsen mit. Wenn diese an der Wasseroberfläche auftauchen, würde er nicht mehr zurückkehren. Danach tauchte er in die Tiefe des Meeres und der König wartete und wartete. Nach langem Warten erschienen die Linsen an der Wasseroberfläche und Cola Pesce tauchte bis heute nicht mehr auf. Vielleicht hatte ihn der riesige Fisch verschluckt oder er dachte, dass er die kaputte Säule halten müsse, damit Messina nicht untergehe. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos des prächtigen Doms von Messina und dem märchenhaften Neptunbrunnen auf dem Domplatz. 🙂

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