Das heimtückische Wassermännlein

Isabella Müller Wien @isabella_muenchen

Immer wenn ich im Wiener Stadtpark an der Promenade am Wienfluss entlang spaziere, muss ich an die Legende vom Wassermännlein denken. Denn vor der Regulierung der Wien, einem reißenden Fluss, lebte dort an der Wehr, wo das Wasser am tiefsten war, ein Wassermännlein mit fahlem Gesicht, grauen Haar und Hut sowie hohen Stiefeln mit roten Quasten. Dieser lauerte dort auf seine Opfer, die er mit zu sich in sein unterirdisches Reich nahm. Häufig fielen Kinder ihm zum Opfer, da sie eine leichte Beute für ihn darstellten. Zur traurigen Berühmtheit gelangte der kleine Anton, Sohn eines Metzgermeisters. Dieser war ein richtiger Angeber, der nur zu gern vor seinen Freunden prahlte, dass er der Auserwählte sei, der als einziger das listige Wassermännchen austricksen könne. Natürlich forderten seine Freunde Beweise und Anton stibitzte aus der Metzgerei seines Vaters eine Ochsenblase, die er mit Luft füllte und um seinen Körper band. Dann sprang er ins Wasser und schwamm durch die Wien bis er zur tiefsten Stelle, dem Zuhause des Wassermännchens kam. Plötzlich erhoben sich aus der Gischt Finger, die die Stricke der Ochsenblase lösten und Anton in die Tiefe zogen. Seine Freunde mussten mit ansehen wie Anton für immer in den Tiefen des Flusses verschwand. Seine Leiche wurde nie geborgen. Doch Anton blieb nicht der einzige Junge, der Erfahrung mit dem Wassermännlein machte. So wurde auch Rudi, der Holz für seine Oma zum Heizen am Flussufer suchte, fast das Opfer des Wassermännleins. Denn als Rudi einen dicken Ast im Fluss entdeckte, stieg er auf einen Stein und versuchte diesen mit einer Stange zu holen. Schlagartig umströmten die Fluten den Stein und er sah wie das Wassermännlein am Stein rüttelte. Rudi verlor dadurch sein Gleichgewicht und stürzte ins Wasser, wo das Wassermännlein versuchte, ihn mit in seine Tiefe zu zerren. Doch Rudi konnte mit letzter Kraft den Ast ergreifen und sich so ans Ufer retten. Es wurde gemunkelt, dass das Wassermännlein Erbarmen mit dem Jungen hatte, da dieser nicht aus Übermut in sein Reich eingedrungen war, sondern aus Gutherzigkeit, um seiner Großmutter zu helfen. Es vergingen viele Jahre, in denen Menschen dem Wassermännlein zum Opfer fielen. Erst durch die Regulierung der Wien und dem Abbau der Wehr nahm der Spuk ein Ende und das Wassermännlein verschwand auf nimmer wiedersehen. Heute ist der Wienfluss ein Rinnsal, der den Wiener Stadtpark in zwei Hälften teilt und an dessen Wienfluss-Portal ich liebend gern entlang flaniere. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Wienfluss im Stadtpark. 🙂

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