Der eingemauerte Ritter

Isabella Müller Heidelberg @isabella_muenchen

In Handschuhsheim, einem Stadtteil von der romantischen Stadt Heidelberg am Neckar, befindet sich mitten im Ortskern die Ruine einer mittelalterlichen Wasserburg, der Tiefburg, auch Handschuhsheimer Burg genannt, um die eine uralte Sage rankt. Die Sage handelt von dem eingemauerten Ritter, den der damalige Besitzer, Joseph Freiherr von Helmstatt 1770 durch Zufall entdeckte. Er wollte seinem guten Freund dem General Rothenhausen seine Hauskapelle im Untergeschoss zeigen, als er mit einem Gegenstand gegen die Wand stieß und einen Hohlraum bemerkte. Diesen ließ er aufbrechen und zum Vorschein kam ein 1,50 Meter großes aufrecht stehendes und an den Händen gefesseltes Skelett in einem Maximilian-Harnisch aus dem 15. Jahrhundert, das sogar seine Waffen noch bei sich hatte. Der Freiherr stellte sich nun die Frage, warum wohl der Ritter eingemauert wurde und noch dazu mit seinen Waffen, aber gefesselt? Eine mögliche Antwort könnte der Fund eines ebenfalls eingemauerten, gefesselten weiblichen Skelettes, das 1830 auf dem unweit von Handschuhsheim entfernten Schloss Hirschhorn gefunden wurde, geben. Denn der Ritter soll eine außereheliche Liebesbeziehung mit der jungen Frau gehabt haben. Da beide jedoch verheiratet waren und Ehebruch gleich nach Mord kam, wurden sie als Strafe für ihr schändliches Vergehen bei lebendigem Leib mit gefesselten Händen eingemauert. So lautet zumindest die Legende vom eingemauerten Ritter, dessen Rüstung der Burgherr seinem Freund, dem General von Rothausen schenkte, der sie seinem Kurfürsten Carl Theodor vermachte. Dieser kunstsinnige Kurfürst brachte sie in seine Antiquitätensammlung nach Düsseldorf. Im Jahr 1806 kam die sagenhafte Rüstung in die Alte Pinakothek und später in das Deutsche Museum in München. Doch seit dem Zweiten Weltkrieg ist diese auf unerklärliche Weise verschwunden. Vielleicht liegt dies an den Handschuhsheimer Bauern, die einem bösen Gerücht nach die Rüstung auf ihrem Fuhrwerk voller Salatköpfe von München nach Handschuhsheim geschmuggelt haben sollen. Seit 1977 befindet sich in der teilweise zugemauerten Nische unter der Hauskapelle eine neue Rüstung, die ein Kraichgauer Schmied gefertigt hat. Wer der Ritter war und warum er eingemauert wurde, ob aus Liebe, Tod oder Verrat, wird wohl für immer ein ungelöstes Rätsel bleiben. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der Tiefburg in Handschuhsheim. 🙂

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