Das Kind der Fee

Isabella Müller Wien Österreich @isabella_muenchen

Direkt am Himmel liegt die wunderschöne Sisi-Kapelle, die anlässlich der Vermählung des Kaiserpaares Elisabeth und Franz Joseph des I. am 24. April 1854 erbaut wurde. Die abseits im Wiener Wald gelegene Kapelle befindet sich im Wiener Stadtteil Sievering, um den sich folgende Sage rankt. Einst lebte dort eine schöne Fee namens Agnes, die den Winter in ihrem Palast und den Sommer im Wiener Wald am liebsten auf hohen Bäume sitzend, verbrachte. Eines Tages kam der schwedische König in den Wald, um nach Wild zu jagen. Als er die Fährte eines Rehs aufgenommen hatte, verfolgte er die Spur bis tief in den Wald, ohne zu bemerken, dass er sich weit von seinem Gefolge entfernt hatte. Da die Nacht einbrach, suchte er sich einen Schlafplatz, um am nächsten Tag wieder zu seinem Gefolge zu stoßen. Diesen Platz für sein Nachtquartier fand er unter einer großen Linde. Er legte seine Rüstung ab und hängte diese an einen Ast. Als er sich hingelegt hatte, hörte er plötzlich eine liebliche Stimme, die zu ihm rief, ob er schon schlafe. Der König verneinte und just in diesem Moment stand auch schon die schöne Elfe vor ihm. Der König war sofort fasziniert von der Elfe und so kam es, dass sie die Nacht miteinander an einer nahe gelegenen Quelle sich innig liebend verbrachten. Bei Tagesanbruch führte die Fee den König zu seinen Gefährten und verabschiedete sich zärtlich von ihm, wohlwissend das er nie wieder in die Gegend kommen würde. Die Rüstung aber behielt sie. Seit dieser Zeit heißt die dort bis heute sprudelnde Quelle Agnesbründel. Die liebreizende Fee brachte nach neun Monaten ein gesundes Mädchen zur Welt. Da sie es nicht groß ziehen konnte, wickelte sie das Mädchen in Papier ein und legte es in einen Korb mit zwanzig Goldstücken. Diesen hing sie an den Brunnen, bei dem der Köhler immer Wasser holte. Der Köhler fand das Kind und nahm es mit zu sich nach Hause. Seine Frau wollte das Mädchen zuerst nicht bei sich aufnehmen, aber als sie das Gold sah und das beschriftete Papier las, in dem das Mädchen eingewickelt war, willigte sie schließlich ein, das Mädchen groß zu ziehen. Auf dem Papier stand, dass das Mädchen wie die Fee Agnes hieß und alle 14 Tage würde Gold am Brunnen liegen, damit es dem Mädchen an nichts fehle. Die Köhlersleute, die selbst einen Sohn namens Karl hatten, zogen das Mädchen liebevoll unter der heimlichen Obhut der Fee groß. Da Agnes ein bildhübsches Mädchen und Karl ein stattlicher junger Mann war, konnte es nicht anders kommen, dass sich beide ineinander verliebten. Sie wurden ein Liebespaar, das bald den Bund der Ehe eingehen wollte. Die Fee, die immer ein wachendes Auge über ihre Tochter Agnes hatte, wollte das der künftige Mann ihrer Tochter zu Ruhm und Ehre gelange. Darum erschien sie ihm im Wald und erzählte ihm von der Rüstung des schwedischen Königs. Diese sollte er anziehen und so in das Quartier der Türken marschieren, die gerade Wien belagerten. Zuerst solle er deren Vortrupp niederschlagen und danach den Oberst zum Duell auffordern. Sie versprach ihm, dass wenn er all ihre Ratschläge beherzigen, gewinnen würde. Den Helm solle er als Zeichen des Sieges mitnehmen und ihn gut aufbewahren. Denn in ihm habe der türkische Anführer alle seine geplanten Befehle und Nachrichten versteckt, so dass er das türkische Heer austricksen könne. Karl befolgte die Anweisungen der Fee und wurde so zu einem wahren Helden. Der Kaiser gab ihm für seine ehrenhaften Verdienste eine hohe Stelle im österreichischen Heer. Dies brachte es aber mit sich, dass Karl nun die meiste Zeit in Wien verbrachte, wo er schnell von vielen Frauen für seine Heldentaten bewundert wurde. Er konnte trotz seiner geliebten Agnes der Versuchung nicht widerstehen und begann eine leidenschaftliche Affäre mit einer Hofdame. Die Fee hatte in der Zwischenzeit für das zukünftige Ehepaar einen Palast gebaut, den sie stolz Agnes präsentierte. Sie gab sich dabei als reiche, alte Frau aus, die keine Kinder hatte und bevor sie ihr Gold mit ins Grab nehmen würde, lieber etwas Gutes für junge Menschen tun wolle. Agnes konnte ihr Glück kaum fassen und schrieb Karl von dem Palast. Dieser reiste daraufhin tatsächlich aus Wien an. Doch die Affäre ihres Mannes war bis nach Agnes vorgedrungen. Zornig sprach sie ihn in ihrem prunkvollen, neuen Zuhause darauf an. Doch Karl stritt alles ab. Dies machte die Fee, die heimlich alles mit angehört hatte, so wütend dass es einen Knall gab und der Palast im Erdboden versank. Die Fee verwünschte Karl und ihre Tochter Agnes, die sich in den falschen Mann verliebt und damit alles zerstört hatte, bis zum Jüngsten Tag im Wienerwald umher zu wandeln. Seitdem erscheint jeden Tag im Wald ein Mann in Ritterrüstung, der um 12 Uhr mittags und um Mitternacht von einem Baum herabklettert. Dieser Mann soll der verwunschene Karl sein. Auch Agnes wird ab und an im Wald gesehen. Sie soll Armen Gaben verteilen. Bis heute sollen beide im Wienerwald umher laufen. So die Legende vom Kind der Fee. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der herrlichen Sisi-Kapelle am Himmel in Sieveringen. 🙂

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