Der ungekrönte König des Praters

Eines der weltberühmten Wahrzeichen Wiens ist das Riesenrad. Dieses 64,75 Meter hohe Riesenrad steht im weltberühmten Prater, dem ältesten Vergnügungspark der Welt, der sich im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt befindet. Der Prater bietet auf 6 Quadratkilometer mit seinen über 250 Attraktionen Spaß für Klein und Groß, Jung und Alt. Hier gibt es von hypermodernen Fahrgeschäften bis zum nostalgischen Ringelspiel für jeden Geschmack etwas. Das erste Ringelspiel, sprich Karussell, durfte Basilio Calafati 1840 in Betrieb nehmen. Dieser in Triest geborene Sohn eines Teppichhändlers zog im Alter von 20 Jahren zusammen mit seiner Familie in die Weltstadt Wien, wo er anfangs Geld damit verdiente, dass er im Prater mit seinem Bauchladen Salami und Käse verkaufte. Dort lernte er den Zauberkünstler Sebastian von Schwanenfeld kennen, der ihn nicht nur das Zaubern beibrachte, sondern ihn auch zu einem seiner Assistenten machte. So leitete er seine Unternehmen auf dem Prater , wenn der Zauberkünstler auf Tournee ging. Basilio Calafati war für den Zauberer wie ein eigener Sohn, dem er 1834 seine Praterhütte 81 verkaufte. Dort zeigte Calafati ausgeklügelte Taschenspielertricks und brillierte mit seinen Laterna Magica, einem Projektionsgerät, mit dem er Geister, Gespenster und andere gruselige Figuren unter künstlichem Nebel zu schaurigen Klängen an die Wand projizierte. Er wurde zu einer kleinen Berühmtheit auf dem Prater, die ihn mit der Erlaubnis eines Ringelspiels, die er am 3.4.1840 von der Polizei-Oberdirektion erhielt, zur Legende machte. Sein 1844 in Betrieb genommenes Eisenbahnkarussell, in dessen Mitte eine neun Meter hohe Figur eines Chinesen stand, wurde zu einer der Hauptattraktionen des Praters. Dadurch entstand auch die Redewendung „Gehen wir zu Calafati“, die gleichbedeutend für einen vergnügten Tag im Prater war. Die Figur des Chinesen wurde unter Denkmalschutz gestellt und 1932 aufwendig mit 80 Meter Brokatstoff und 17 Kilogramm Rosshaar für seinen Zopf renoviert. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie am 8. April 1945 komplett zerstört. Eine Nachbildung aus Kunststein wurde am 14. August 1967 erstellt, die mit einer Gedenktafel im Mai 1968 enthüllt wurde. Basilio Calafati war ein äußerst geschäftstüchtiger Mann, der neben seinem Karussell auch ein Restaurant „Zum schwarzen Rössel“ mit Veranda und Billardsalon eröffnete, um noch mehr Besucher anzulocken. Dieses Unternehmen baute er zusammen mit seiner Ehefrau Josefa und ihren neun Kindern zu einem echten Familienunternehmen aus. Basilio Calafati wurde so zu einer echten Berühmtheit in Wien, den der Sage nach sogar Kaiser Ferdinand in sein Schloss einlud, um eine Demonstration seiner Taschenspieler- und Zaubertricks vorgeführt zu bekommen. Dabei soll er die goldene Taschenuhr des Kaisers auf geschickte und sehr charmante Weise ergaunert haben. Bei seinem Zaubertrick legte er die Taschenuhr in einen Messingmörser und demolierte diese mit einem Stößel. Anschließend spielte er dem Kaiser vor, dass diesmal sein Trick nicht funktioniert hatte. Er war untröstlich, dass er die Taschenuhr kaputt gemacht hatte. Der Kaiser hatte mit Calafati und seinem missglückten Kunststück ein Einsehen und schenkte ihm die Uhr. Daraufhin holte Callafati mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht die zuvor demolierte Uhr wieder unversehrt aus dem Mörser. So kam Calafti in den Besitz der goldenen Taschenuhr des Kaisers. Am 27. Mai 1978 starb Basilio Calafati, der ungekrönte König des Praters, in Wien. Bis heute erinnert an ihn eine Statue am Riesenradplatz im Wurstelprater. Denn Legenden sterben bekanntlich nie! In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos vom weltberühmten Wiener Prater. 🙂

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