Der Hexenbiss und der Rittersprung

Das Heidelberger Schloss gilt als Inbegriff deutscher Romantik und ist eine der bekanntesten Schlossruinen der Welt, von der man einen traumhaften Blick auf die malerische Stadt Heidelberg und den Neckar hat. Das Schloss besitzt auch eine faszinierenden Schlossgarten, der 1616 als Hortus Palatinus, Pfälzer Garten, von dem französischen Architekten und Ingenieur Salomon de Caus für den Kurfürst Friedrich V. geschaffen wurde. Diese raffinierte terrassenförmige Anlage mit wunderschönen Wasserspielen und kunstvollen Zierbeeten galt als achtes Weltwunder, obwohl diese wegen des Dreißigjährigen Krieges und dem Exil des Kurfürsten nie vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde er als Barockgarten und zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Garten im englischen Stil umgestaltet, den Menschen aus der ganzen Welt bis heute zusammen mit der Schlossruine bewundern. Auch einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe liebte den Schlossgarten. Ihm zu Ehren wurde dort die Goethe-Willemer-Bank aufgestellt. Denn der Schlossgarten und die Schlossruine inspirierten ihn und die Schauspielerin Marianne Willemer sehr und daraus entstand das Werk des West-östlichen Divan. Um dieses ehemalige Residenzschloss der Pfalzgrafen und Kurfürsten bei Rhein, das im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Truppen des französischen König Ludwig XIV. teilweise zerstört wurde, ranken zahlreiche Sagen. Die zwei bekanntesten handeln vom legendären Rittersprung und dem Hexenbiss. Diesen Biss einer Hexe kann man bis heute am eisernen Klopfring des mächtigen Torturmes bestaunen. In diesem Tor des Heidelberger Schlosses befand sich eine kleine Pforte mit einem Klopfring, das die Menschen passieren konnten, ohne dass das große Tor geöffnet werden musste. Als der Kurfürst, der keine Erben hatte, im Sterben lag, soll er beschlossen haben, dass derjenige das Schloss besitzen soll, der es schafft den Klopfring mit seinen bloßen Zähnen durchzubeißen. Doch jeder biss sich daran sprichwörtlich die Zähne aus. Auch eine Hexe versuchte ihr Glück und scheiterte kläglich. Sie hinterließ aber zumindest einen bleibenden Eindruck mit ihren Zähnen, von denen bis heute eine Kerbe zeugt. Einen eben solchen bleibenden Eindruck in Form eines Fußabdruckes im Sandsteinboden des großen Altan des Friedrichsbaus, dem prunkvollen Wohnpalast des Heidelberger Schlosses, hinterließ ein Ritter. Dieser soll in flagranti bei einem Techtelmechtel mit einer Hofdame erwischt worden und in seiner Verzweiflung aus dem Fenster gesprungen sein. Dabei entstand der legendäre Fußabdruck. Nach einer anderen Version, soll ein Feuer im Friedrichsbau ausgebrochen sein und der Ritter wollte sich mit einem beherzten Sprung aus dem Fenster vor den lodernden Flammen retten. Welche Version der Geschichte auch stimmen mag, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Der Fußabdruck ist wie der Hexenbiss auf alle Fälle sehenswert. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der schönsten Schlossruine Deutschlands, dem Heidelberger Schloss. 🙂

Verfasst von

Webseite: www.isabella.wien . Email: post@isabellas.blog . Instagram: @isabella_muenchen . Facebook: @IsabellaMuenchen . Twitter: @IsabellaMuelle9

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.