Der Wiener Waldteufel

Das Wahrzeichen des 4. Wiener Gemeindebezirks Wieden ist die barocke Karlskirche, die das letzte Meisterwerk des weltberühmten Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach, der auch für die Errichtung des Schlosses Schönbrunn und der Wiener Hofburg verantwortlich ist, war. Wieden gilt als die älteste Vorstadt Wiens, die innerhalb des Gürtels liegt. Der Bezirk ist einer der urbansten und pulsierendsten Stadtteile Wiens, der dank der Technischen Universität, den vielen Bars, Restaurants, Botschaften, der Kunsthalle Wien und der dort ansässigen Skateboardszene seit Jahren ein beliebtes Wohnviertel bei jungen Menschen und Künstlern ist. Um dieses Kultviertel rankt die alte Legende vom Waldteufel. Dieser war ein teuflisch gemeiner Verbrecher namens Hans Aufschring, der zusammen mit seinem Kompagnon, dem Wirt der Teufelsmühle sein Unwesen im Wienerwald trieb. Kein noch so starker Mann, den der Stadtrichter zu den Räubern schickte, kehrte lebend nach Wien zurück. Niemand konnte diesen beiden Schurken das Handwerk legen. Zu dieser Zeit lebte in Wieden ein Fassbinder mit seiner reizenden 18-jährigen Tochter Elsbeth, die eines Tages urplötzlich verschwand. Voller Sorge begab sich ihr Vater nach Wien, um nach ihr zu suchen. Doch niemand wusste, wo seine Tochter steckte. Er kehrte daraufhin bei seinem Freund dem Gastwirt Sebastian Guntl in der Kärntner Straße ein und klagte ihm sein Leid. Dieser erzählte ihm erstaunt, dass gestern seine Tochter bei ihm gewesen war und ihn um einen Wagen, einen Kutscher und zwei starke Männer gebeten hatte. Er hatte gedacht, dass sie diese zum Fässer fahren brauche. Darum hatte er ihr seinen Wagen geliehen sowie den Kutscher und die Männer vermittelt, mit denen sie gestern Abend noch weg fuhr. Verzweifelt begab sich ihr Vater wieder auf den Heimweg. Elsbeth hingegen hatte sich vom Kutscher mit einer geheimnisvollen Kiste zur Teufelsmühle fahren lassen, in dem der Waldteufel mit seinem Kompagnon lebte. Dort angekommen, ließ sie die Kiste von den Männern in die Mühle bringen. Dann warteten sie in ihrer Kutsche. Der Waldteufel hatte dies beobachtet und ging in die Mühlstube. Dort entdeckte er die Kiste, brach sie auf und stellte verwundert fest, dass diese leer war. Erst jetzt bemerkte er den schönen Sessel daneben, auf den er sich sogleich setzte. Just in diesem Moment begann der Sessel zu rasseln und wie durch Geisterhand kamen Eisenstangen aus dem Sessel, die sich zu einem festen Gitterwerk zusammensetzten und so den Waldteufel gefangen hielten. Der Waldteufel begann laut zu rufen und schon erschien Elsbeth mit den Männer. Sie lachten laut beim Anblick des dingfest gemachten Verbrechers. Sie trugen ihn gefesselt auf dem Sessel sitzend aus der Mühle und luden ihn auf den Wagen. Dann gingen die Männer wieder in die Mühle, weckten den Wirt, fesselten diesen und führten ihn zum Wagen. Danach fuhren sie nach Wien und gingen zuerst zum Wirt Guntl, bei dem sich Elsbeth bedankte. Danach brachten sie die Gefangenen zum Stadtrichter, der sie verhaftete. Anschließend kehrte Elsbeth nach Hause zurück, wo ihr Vater sehnsüchtig auf sie wartete. Die junge Frau erzählte ihrem Vater von dem Waldteufel, den sie durch den Fangsessel des Waffenschmied Klingsporner aus der Wiener Neustadt gefangen nehmen konnte. Elsbeths Vater war mächtig stolz auf seine tapfere und schlaue Tochter, die Wien vom Waldteufel und seinem Kumpanen befreit hatte. Ihr zu Ehren richtete der Wirt Guntl ein großes Fest aus. Die beiden inhaftierten Räuber wurden am 24. Januar 1371 enthauptet. An diese Heldentat erinnert bis heute der Engelbrunnen auf der Wieden, der Elsbeth und die beiden gefesselten Räuber vor ihr sitzend darstellt. Neben diesen Brunnen, der 1893 aus einer Stiftung des Herrn Engel vom Bildhauer Anton Wagner errichtet wurde, ist der Schutzengelbrunnen mit seiner mittigen Steinsäule, die mit einem Schutzengel gekrönt wird und an dessen Säule vier drachenförmige Wasserspeier mit Wiener Wappen als Brustschild angebracht sind, eine weitere Attraktion von Wieden. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von diesem außergewöhnlichen Schutzengelbrunnen und dem Wiener Kultbezirk Wieden. 🙂

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