Der Brunnen der 15 Nackten in Wien

Isabella Müller Wien Österreich @isabella_muenchen

Bei meinem Streifzug durch Wiens 3. Gemeindebezirk entdeckte ich auf dem Karl-Borromäus-Platz den Karl Borromäus-Brunnen. Dieser elegante Brunnen aus Marmor und Bronze zählt zu Wiens schönsten Monumentalbrunnen und gilt als eines der wenigen Freiplastiken des Jugendstils. Errichtet wurde der Brunnen von dem Bildhauer Josef Engelhard und dem Architekten Jože Plečnik anlässlich des 60. Geburtstags des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger, der vom Bezirk gestiftet wurde. Die Steinmetzarbeiten stammen von Eduard Hauser und die Gussarbeiten von Hans Trömmel. Auftraggeber war der christlich soziale Gemeinderat Prof. Josef Sturm. Die Grundsteinlegung erfolgte am 24. Oktober 1904, dem Geburtstag Karl Luegers. Der außergewöhnliche Brunnen wurde wie die Karlskirche und die Friedhofskirche des Wiener Zentralfriedhofes Karl Borromäus geweiht. Der 1610 heiliggesprochene Graf war Kardinal, Erzbischof von Mailand, Vertreter der Katholischen Reform nach dem Trienter Konzil und Namenspatron des Bürgermeisters. Während der Pestepidemie, die in Mailand von 1576 bis 1578 wütete, kümmerte er sich aufopferungsvoll um die Kranken und Sterbenden. Er ließ öffentliche Lazarette und Notunterkünfte errichten bis sein geschwächter Körper einem Fieberanfall erlag. Er starb im Alter von 46 Jahren und wurde im Mailänder Dom beigesetzt. Der Brunnen, der unter dem Straßenniveau abgesenkt wurde, hat in seinem niedrigen, runden Becken einen dreipassförmigen Sockel. Auf diesem Sockel tragen 15 nackte Putten drei Wasserbecken, die durch Figurengruppen miteinander verbunden sind. Diese Figurengruppen symbolisieren Szenen aus dem Leben des heiligen Karl Borromäus und sind mit den Inschriften „Sankt Karl Borromäus“, „Empor die Herzen“ sowie „Über allem die Liebe“ versehen. Die Wasserbecken, die von den Putten getragen werden sind reich verziert mit Reliefs aus Rankenwerk, Molchen und Fischen, die als Wasserspeier fungieren. Bekrönt wird das Gesamtensemble durch einen dreieckigen Obelisk aus Marmor, der als Kulisse der Figurengruppe dient. Die feierliche Enthüllung des meisterhaften Brunnens fand am 25. Mai 1909 statt. Wenige Wochen nach der Weihung des Brunnens sorgte die Aktion des Pfarrer Alfred Hoppe, damals für die Erzdiözese Wien tätig, für großes Aufsehen in der Öffentlichkeit, da dieser forderte die nackten Putten am Brunnen entweder zu verhüllen oder zu entfernen. Dafür rief er eine Unterschriftenaktion ins Leben und zeigte sogar den Pfarrer, der die Segnung des Brunnens durchgeführt hatte, beim Erzbischof an. Doch bis heute sind die Putten des denkmalgeschützten Brunnens nackt. Der Karl Borromäus-Brunnen ist nicht nur ein Meisterwerk seiner Zeit, sondern dank seiner Sitzbänke, die um den Brunnen positioniert sind, ein idealer Ort, um sich eine kleine Auszeit vom Großstadttrubel zu nehmen. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieser einzigartig schönen Brunnenanlage im 3. Wiener Gemeindebezirk. 🙂

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